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Februar 2024 — Was Frankreichs Herkunftsnachweis-Auktionen über Marktpreise aussagen

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Bei der jüngsten französischen nationalen Auktion wurden Herkunftsnachweise (HKN) zwischen 0,83 € und 1,36 € bepreist; verkauft wurden 4.922 GWh an Herkunftsnachweisen. Der Produktionszeitraum der verkauften Lieferung war November 2023. Diese Ergebnisse haben unter unseren Mitgliedern Diskussionen über die historischen Preisbewegungen von Herkunftsnachweisen (HKN) ausgelöst. Häufig wird gefragt, ob die Preise steigen oder fallen. Auch wenn wir die Zukunft nicht vorhersagen können, hilft die Analyse vergangener Preise zu verstehen, wie sich Preise entwickelt haben und welche Faktoren sie beeinflussen. Internationale HKN-Auktionen liefern wichtige Preissignale. Sowohl Käufer als auch Energieerzeuger warten inzwischen auf die monatlichen Auktionsergebnisse, um Marktpreise einzuschätzen, bevor sie Geschäfte abschließen.

Französische nationale Auktionen sind eine der besten Quellen, um historische Preise nachzuverfolgen. Wichtig ist: Die Preise für bestimmte Herkunftsnachweise in anderen Ländern entsprechen nicht zwingend exakt denen in Frankreich. Dennoch bieten sie einen guten Überblick über Markttrends. Zudem können HKN aus anderen Ländern häufig unter denselben Bedingungen wie inländische HKN genutzt werden.

2019—2021: Start der französischen Auktionen und erste Preisfindung

In diesem Zeitraum starteten die französischen Auktionen mit moderaten Preisen: im März 2019 lagen sie zwischen 0,22 € und 0,96 € pro Megawattstunde (MWh). Die Preise stiegen schrittweise an, erreichten bis April 2021 0,34 € bis 0,60 € und lagen im November 2021 auf dem Höchststand bei 1,03 € bis 1,34 € pro MWh. Dieser Preissprung war auf eine höhere Nachfrage, Optimismus im Bereich erneuerbare Energien und etwas Spekulation zurückzuführen.

2022: Highlights und Erkenntnisse

Zu Jahresbeginn sahen wir einen historischen Preissprung: Die Preise stiegen von 1,71–2,28 €/MWh im Januar auf schwindelerregende 7,76–8,12 €/MWh im August. Eine große Rolle spielten trockene Winter und einer der trockensten und heißesten Sommer der europäischen Geschichte. In diesem Zusammenhang ist wichtig zu wissen, dass Norwegen der größte Exporteur von Herkunftsnachweisen in Europa ist. Wenn es in Skandinavien trocken ist, produzieren Wasserkraftwerke weniger Strom – das führt zu einem Angebotsdefizit am Herkunftsnachweismarkt.

2022—2024: Preisrückgang und Auswirkungen

Wie in jeder guten Geschichte konnten die guten Zeiten nicht ewig dauern. Während die Preise im Dezember 2022 mit 5,3–7,69 €/MWh noch hoch waren, setzte Mitte 2023 ein Abwärtstrend ein. Dieser führte zu den Ergebnissen vom Februar 2024, bei denen alle Herkunftsnachweise in der Auktion für 0,83–1,36 €/MWh verkauft wurden.

Was ist hier passiert?

Im Podcast „Montel Weekly“ wies Daniel Arnesson darauf hin, dass das erste Zeichen von Marktschwäche die italienische Staatsauktion war. Der Startpreis wurde zu hoch angesetzt und nicht alle HKN konnten verkauft werden – das löste einen Dominoeffekt und einen anschließenden Preisrückgang aus.

Lag der Grund in einer Marktsättigung oder einfach in einem rationaleren Umgang mit Preisen? Tatsächlich gab es mehrere Gründe für diesen drastischen Preisrückgang.

Einer der wichtigsten Faktoren war das enorme Überangebot. Besonders deutlich wurde es Mitte 2023, als stärkere Niederschläge die Wasserkraftproduktion deutlich über das Niveau von 2022 hoben. Norwegen erlebte im August extreme Regenfälle, die an mehreren Orten Überschwemmungen verursachten. Allein am 8. August 2023 fiel in Oslo so viel Regen wie im gesamten Juni 2022 (58 mm). Zudem brachten August und September günstige Bedingungen für die Windstromerzeugung, was das Überangebot weiter verstärkte. Insgesamt waren die Wetterbedingungen 2023 ungewöhnlich günstig für die Produktion erneuerbarer Energien und lösten ein starkes Überangebot am Herkunftsnachweismarkt aus.

Ein weiterer wichtiger Grund waren die damaligen makroökonomischen Rahmenbedingungen, die zu einer geringeren Stromnachfrage und damit zu einem niedrigeren Stromverbrauch führten. Gleichzeitig wächst der Sektor der erneuerbaren Energien in Europa rasant.

Schließlich ist wichtig zu beachten, dass viele Länder die Nutzung von Herkunftsnachweisen aus dem Vorjahr untersagt haben, um den Stromverbrauch des laufenden Jahres nachzuweisen. So erlauben Deutschland und Spanien beispielsweise nicht, Herkunftsnachweise aus 2023 in 2024 zu verwenden. Da Deutschland der größte Importeur von Herkunftsnachweisen in Europa ist, haben die deutschen Regeln zur Nutzung von Herkunftsnachweisen erhebliche Auswirkungen auf den gesamten europäischen Markt.

All diese Faktoren zusammen deuten auf einen komplexen und dynamischen Markt hin, in dem die Preise stark von internen und externen Einflüssen geprägt sind.

Ist jetzt mit einem Preisanstieg zu rechnen?

Einen Preisanstieg vorherzusagen ist schwierig. Die „Disclosure Deadline“ im März wird zeigen, wie viele große europäische Unternehmen – die Herkunft und ökologischen Fußabdruck ihrer grünen Energie offenlegen müssen – sich darauf vorbereitet haben; frische Produktion aus 2024 wird derzeit mit einem Aufschlag gehandelt (2,5-mal höher) als im Vorjahr. Künftig planen wir, dieses Thema noch detaillierter zu analysieren. Wenn Sie daran interessiert sind, abonnieren Sie hier unseren Newsletter. Langfristig werden Wetterbedingungen, die grüne Bewegung, Subventionen und Regulierung die HKN-Preise weiterhin beeinflussen.

Das Beispiel Frankreich zeigt die Unsicherheit im Markt für erneuerbare Energien. Die Preisvolatilität spiegelt die wachsende Bedeutung des Sektors erneuerbarer Energien und seinen Einfluss auf den breiteren Energiemarkt wider. Klar ist: Mit HKN zu spekulieren birgt erhebliche Risiken, und häufige Verkäufe in frischen Produktionszeiträumen können helfen, diese Risiken zu mindern.

Was ist die Moral der Geschichte?

Das Beispiel Frankreich zeigt, dass im Markt für erneuerbare Energien nichts sicher ist – außer dem Wandel. Die Preisvolatilität zeigt, dass wir noch lernen und dass das Wetter eine enorme Rolle spielt. Gleichzeitig spiegelt das schnelle Preiswachstum die wachsende Bedeutung des Sektors erneuerbarer Energien und seinen Einfluss auf den breiteren Energiemarkt wider.

Eine klare Erkenntnis ist: Mit HKN zu spekulieren ist riskant. Wir haben mehrere internationale Marktteilnehmer getroffen, die zu lange mit dem Verkauf gewartet haben und nun in der Situation sind, dass ihre Herkunftsnachweise ablaufen. Sie sind jetzt gezwungen, ihre Herkunftsnachweise in einem ohnehin gedrückten Markt mit Abschlag zu verkaufen. Aufgrund von Regulierung haben frische Produktionszeiträume die höchste Verbrauchernachfrage und tragen unter Händlern die höchste spekulative Prämie. Unser Fazit: Häufige Verkäufe sind sinnvoll, um die Prämie frischer Produktion bestmöglich zu nutzen und zugleich das Risiko zu reduzieren, am Ende alles zu den niedrigsten Marktpreisen verkaufen zu müssen.

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Stenver Jerkku ist CEO und Gründer von Soldera, einer Plattform, die Erzeugern erneuerbarer Energien ermöglicht, ihre Erlöse durch automatisierten Handel mit Herkunftsnachweisen (HKN) zu maximieren. Er verfügt über einen Hintergrund in Softwareentwicklung und Startup-Führung sowie ein weiterführendes Studium an der Universität Tartu und TalTech. Seine Erfahrung mit Umweltcommodities umfasst die Gründung von Solid World (Infrastruktur für Klimafinanzierung) sowie Gründungsrollen bei eAgronom (Agri-Carbon und MRV) und Führungspositionen bei Glia (Unicorn-Unternehmen). Seine tägliche Arbeit konzentriert sich auf die Produktstrategie von Soldera, Partnerschaften und die Entwicklung von KI-Systemen, die die Erlöse erneuerbarer Erzeuger aus HKN maximieren.

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